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Jahresbericht des Vorstands, vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Dr. Helmut Sörensen, anlässlich der Mitgliederversammlung am 5. Juni 2010:

Liebe Mitglieder,

in unserem Gründungsjahr 1975 fanden wir gute Voraussetzungen in unserer Gesellschaft vor: „Mehr Demokratie wagen“ war das Motto der Stunde. Viele von Ihnen wie auch ich kennen noch die Schrecken von Krieg und Diktatur. 25 oder 30 Jahre nach diesen furchtbaren Erfahrungen konnte die Selbsthilfe und damit auch die Rheuma-Liga in einer Zeit gedeihen, in der die gesellschaftlichen Bedingungen günstig waren: Wirtschaftswachstum, geringe Arbeitslosigkeit, starke junge Jahrgänge und eine Welt, in der der Wunsch nach Frieden und Abrüstung ganz oben stand. Und dann die Deutsche Einheit vor 20 Jahren: auch wir feierten die Vereinigung der Rheuma-Ligen in Berlin. Und heute?

Unsere gesellschaftlichen, finanziellen und wirtschaftlichen Entwicklungen zeigen eindeutig Symptome eines chronischen Schmerzsyndroms. Es ist zu befürchten, dass die Gewährung von Förderungen für das Funktionstraining und für die soziale Beratung nicht mehr selbstverständlich sind. Es ist ferner zu befürchten, dass sich unsere Gesellschaft entsolidarisiert: wie sollen rheumakranke Menschen für ihr Alter vorsorgen, von welchem Einkommen sollen sie für die Pflege etwas zurücklegen? Uns drohen nicht nur höhere Beiträge, wahrscheinlich müssen Sie bald auch Geld zurücklegen für eine gesundheitliche Versorgung – wovon? Wir befürchten nicht nur Altersarmut, sondern auch Armut und Perspektivlosigkeit bereits bei rheumakranken Kindern, Jugendlichen und Jungen Erwachsenen, wenn wir uns dieser Entwicklung nicht gemeinsam entgegenstemmen.

So ist es für mich ein Wunder, dass die Rheuma-Liga trotz oder gerade unter den schwieriger werdenden Voraussetzungen wächst und gedeiht. Ich bin sicher, dass unsere Gründungsväter und Mütter von uns erwarten, dass wir diesen Erfolg nicht nur verwalten, sondern gerade in diesen Zeiten mit den Veränderungen mitgehen müssen – so, wie Sie sich als rheumakranker Mensch jeden Tag neu auf die Veränderungen ihrer Erkrankung einstellen.

Vorstellung der im Berichtsjahr erarbeiteten Strategie

Über mehrere Jahre haben wir uns im Vorstand mit dem Thema „Strategie“ befasst. Zunächst haben wir uns gefragt, wer sind unsere Mitglieder, welche Bedürfnisse haben sie, wer sind unsere Partner und Konkurrenten. Dann haben wir geklärt, wo unsere Stärken und Schwächen liegen. Auf dieser Grundlage haben wir dann festgestellt, dass die Rheuma-Liga zwar zu neuen Ufern aufbrechen soll und muss, dass sie aber einen großen Teil ihrer Ressourcen für die Sicherung ihrer Kernaufgaben zur Verfügung stellen muss, die da sind:

  • 1. Ansprechpartner für Menschen mit rheumatischen Beschwerden und ihren Angehörigen sein
  • Konsequente Interessenvertretung auf allen Ebenen auch unter Nutzung der Patientenbeteiligungsrechte

Seien Sie versichert, dass sich alle Vorstandsmitglieder und viele ehrenamtliche und hauptamtliche Mitstreiter für Sie als Mitglieder einsetzen und sich auch künftig einsetzen werden. Denn wir wissen alle, dass wir nur gemeinsam stark sein können. Nur gemeinsam werden wir das Angebot für Sie und alle rheumakranken Menschen aufrechterhalten und hoffentlich weiter ausbauen. In diesem Sinne hat der Vorstand am 7. Oktober 2009 beschlossen, ein Therapie-, Beratungs- und Selbsthilfezentrum in Berlin einzurichten.

Errichtung eines Therapie-, Beratungs- und Selbsthilfezentrum

Die Idee eines Therapie-, Beratungs- und Selbsthilfezentrum hatte einen langen Vorlauf: seit 1992 hat die Rheuma-Liga versucht, ein Rheumazentrum mit Kooperationspartner einzurichten. Wie Sie wissen, ist das Projekt leider gescheitert. Seit 2005 haben wir uns verschiedene Standorte angesehen, Konzepte ausgearbeitet, Kalkulationen aufgestellt und unzählige Verhandlungen mit Senatoren, staatlichen und privaten Immobiliengesellschaften und anderen geführt. Ganz Berlin weiß von unserer Idee und hat stets signalisiert, wenn wir ein Objekt haben, uns dann auch unterstützen zu wollen.

Wir haben nach intensiver Diskussion im Vorstand beschlossen, unser Zentrum an einem Standort aufzubauen, an dem die Voraussetzungen passen. Die wenigen Wochen am neuen Standort sind vielversprechend: täglich sehen über 50.000 Autofahrer und 500 Fußgänger auf der B96 ein überdimensionales Schild „Rheuma-Liga“. Auf dem Gelände befinden sich Ärzte, Pflegedienst, ein sozialpädiatrisches Zentrum für Kinder und Jugendliche, ein Sportverein, ein Lebensmittelladen – und Parkplätze! Ab Juli wird eine Physio- und Ergotherapeutenpraxis die Angebote für rheumakranke Menschen ausbauen. Bereits jetzt kommen im Schnitt mehr Mitglieder und Interessierte zur persönlichen Beratung als in Steglitz. Unsere Mitglieder und alle rheumakranken Menschen, die unsere neuen Räume betreten, fühlen sich gleich besser und sind positiv gestimmt – das ist für uns eine schöne Bestätigung unserer Bemühungen! Wir helfen und erhalten positive Rückmeldungen! Und so wie unser neuer Standort angenommen wird, so wollen wir, dass auch unsere Bezirkstreffpunkte Heimat für rheumakranke Menschen werden und wir mit Ihnen die wohnortnahe Versorgung weiter ausbauen.

Für unsere Mitarbeiter ist die Situation nicht einfach, da viel mehr Arbeit zu leisten ist. Auch aus diesem Grund suchen wir ehrenamtliche Mitarbeiter. Und es gelingt uns auch: voraussichtlich noch in diesem Sommer werden wir in Neukölln mit Herrn Horst Schmidt den ersten ehrenamtlichen Berater haben, der die dortigen Sprechstunden erweitert. In Tempelhof, Steglitz, Lichtenberg, Pankow und Spandau haben wir auch aktive Rheuma-Praxis-Engel in Aktion. Diese positiven Ergebnisse, liebe Mitglieder, sind ein nicht zu unterschätzender Faktor der Zufriedenheit, den wir unseren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schulden. Ich bin sehr stolz auf Sie! Vielen Dank!

Nun wollen wir auch den 2. Schritt gehen und ein eigenes Therapiebad einrichten. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe: Fliese um Fliese müssen wir uns selber erwirtschaften. Der Anfang ist gemacht: Dank einer S-Bahn-Spende, dank der langjährigen erfolgreichen Wirtschaftsführung unseres ehemaligen Schatzmeisters, Herrn Schäfer, sowie unserer neuen Schatzmeisterin, Frau König, stehen uns Vereinsmittel zur Verfügung. Dank Frau Prof. Wagner-Dix und ihrer Konzerte erzielen wir regelmäßig Spendengelder.

Zwar haben wir gute Hoffnung, dass wir über die eine oder andere Stiftung möglichst weitere Mittel erhalten können. Aber ohne Ihre Hilfe werden wir kein eigenes Therapiebad bauen können. Daher danke ich heute besonders dem Ehepaar Kiel, das uns einen Büroraum komplett eingerichtet hat mit einer Spende, in dem wir insbesondere unseren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr gute Arbeitsbedingungen anbieten können!

Erlauben Sie mir einige Hinweise zur geplanten „Image-Kampagne". Selbstverständlich ist dieser Bereich eine Gesamtaufgabe im Gesamtverband, die seit vielen Jahren immer erfolgreicher bearbeitet wird. Das verdanken wir auch unseren starken Frauen im Bundesvorstand, die sich auch in unserem Vorstand engagieren: Frau Prof. Dr. Gromnica-Ihle und Frau Rink! Wir werden uns ab Herbst 2010 mit unserer Schirmherrin und Botschafterinnen in Berlin weitere Gedanken machen, wie wir die bundesweite langfristige strategische Planung in diesem Bereich in Berlin noch weiter verbessern können.

Liebe Mitglieder, das Strategiepapier in der Kurzfassung haben wir ausgelegt. Wir bitten Sie, dieses mitzunehmen, zu lesen und bei Interesse weiterzugeben. Wir wollen das Papier nach und nach in den Berliner Bezirken unseren Mitgliedern vorstellen und planen im Jahr 2011 eine Mitgliederbefragung, um zu sehen, ob wir mit Ihnen gemeinsam auf dem richtigen Weg sind.

Rechenschaft über das Vereinsjahr 2009

Liebe Mitglieder, in wenigen Sätzen gebe ich Antwort auf die Frage, was gut und was nicht so gut im Jahr 2009 lief. Denn wir wollen das, was gut läuft, ausbauen. Und wir sehen in jedem Problem auch immer eine Chance der Weiterentwicklung.

Wir haben im Vorstand darüber gesprochen, wie wir noch besser alle Mitglieder informieren und beteiligen können. Um Missverständnissen vorzubeugen hinsichtlich der Befugnisse und Aufgaben des Präsidiums und des Gesamtvorstands wurden einige Passagen der Satzung überarbeitet und werden nachher behandelt. Erfreulich ist für mich als Vorstandsvorsitzender die Tatsache, dass sich jedes Vorstandsmitglied engagiert und einbringt unabhängig seiner jeweiligen Aufgaben und Funktionen. Herzlichen Dank für diese gemeinsame vertrauensvolle Arbeit!

Uns gelang im Vereinsjahr die Umstellung unseres Kurssystems. Darauf bin ich sehr stolz! Wir müssen einräumen, dass wir leider nicht jede unserer Veränderungen so intensiv begleiten konnten, wie wir es vorhatten. Wir haben möglicherweise unterschätzt, dass die rekordverdächtige Zunahme an Mitgliedern, die Erfolge in der Öffentlichkeitsarbeit, die vielen Veranstaltungen tagtäglich eine Fülle von Aufgaben mit sich bringen. Bei über 100 Briefen am Tag, über 30 Faxmeldungen, über 100 E-Mails täglich, bei manchmal über 500 Telefonanrufen am Tag, bei über 50 Buchungssätzen am Tag, bei fast einer Veranstaltung und Pressemitteilung in der Woche und fast täglicher Aktualisierungen unserer Internetseiten bleibt am Tag nur wenig Zeit, Veränderungen vorzunehmen und neue Ideen erfolgreich zu planen und umzusetzen.

Denn wir wissen: Hinter jedem Vorgang steht ein Mensch, der seine Hoffnungen in die Rheuma-Liga setzt – manchmal seine letzten Hoffnungen.

Dennoch haben wir trotz dieser täglichen Beanspruchungen im Berichtsjahr viele gute Ergebnisse vorzuweisen:

-          Neuer Mitgliederrekord im Jahr 2009 mit fast 9.000 Mitgliedern

-          Neuen Rekord an Kursen mit fast 8.000 Kursplätzen

-          Neue und gut laufende Projekte: Kinderbegleitprojekt, Rheuma-Praxis-Engel, Berufsorientierung und andere Angebote für die Altersgruppe 3550, Rehabilitationsstudie, die von der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg gefördert wird

-          Großartige und gut besuchte Veranstaltungen

-          Eröffnung von Treffpunkten in Neukölln, Pankow und City-West

-          Steigerung an Zuwendungen und damit ein positives Jahresergebnis u.v.m.

Ich spreche allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein ganz großes Kompliment aus, dass dieser Spagat zwischen der Erledigung der Tagesarbeit und der neuen Herausforderungen gelingt. Ich bitte Sie, liebe Mitglieder, heute und hier dieses Engagement zu würdigen und uns aktiv zu unterstützen!

Denn noch haben haben wir nicht in jedem Bezirk einen Treffpunkt. Wir haben auch noch nicht in allen Treffpunkten alles so eingerichtet, wie wir uns das wünschen. Wir haben aber für jeden Bereich eine Erledigungsliste und werden diese Stück für Stück abarbeiten. Denn bei diesen steigenden Mitgliederzahlen, bei diesem Wachstum müssen wir uns weiterentwickeln, denn Sie, liebe Mitglieder, geben dazu die Initiative! Für Sie sind wir da! Mit Ihnen gemeinsam!

Liebe Mitglieder, wir werden künftig auf unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch mehr acht geben müssen. Es ist keinem damit gedient, wenn wir uns überfordern. Gerade weil wir heute wichtige Leistungsträger der Rheuma-Liga ehren aber zum Teil auch verabschieden, müssen wir aufpassen, dass wir trotz Erweiterung unserer Kapazitäten auf unser aller Wohl achten. Abgesehen davon, dass ein Abschied aus den Diensten der Rheuma-Liga nie endgültig ist und mit persönlichen Gründen zusammenhängt, wird der Vorstand gemeinsam mit Geschäftsführung und den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern künftig noch mehr darauf achten, dass wir das, was wir uns vornehmen, auch leisten können. Wir müssen, liebe Mitglieder, auch einmal den Mut haben, „Nein“ zu sagen. Wir müssen dann die Konsequenzen auch gemeinsam tragen. Wir müssen aber auch Sie und die vielen anderen Mitglieder bitten, uns zu helfen.

Wir wollen die neuen Herausforderungen ohne Erhöhung von Beiträgen oder Gebühren bewältigen. Das gelingt aber nur, wenn sich noch mehr Menschen finden, die uns helfen: wir brauchen Sie in unseren neuen Treffpunkten, wir brauchen Sie zur Unterstützung der Erstkontakte am Telefon oder persönlich, als Praxis-Engel oder in unseren Besuchs- oder Begleitdiensten. Ganz dringend brauchen wir Busfahrer, Männer und Frauen mit handwerklichem Geschick, Transport- und Veranstaltungshelfer, Menschen, die uns beim Packen und Entpacken der vielen Broschüren helfen.

Wenige Worte verliere ich zur aktuellen Situation um das Geschäftsgebahren einiger weniger sozialer Einrichtungen in Berlin und vor allem die darauf aufbauende Medienkampagne. Der Vorstand der Deutschen Rheuma-Liga Berlin e.V. wird in seinen kommenden Sitzungen weitere Schritte zur Veröffentlichung von Informationen beraten und Sie informieren. Ich kann hier nur weiter um Ihr Vertrauen werben, da die Rheuma-Liga jeden Cent an Spendeneinnahmen dem Zweck zuführt und bislang keinen Cent ihrer Spendeneinnahmen für die Spendenverwaltung verwendet. Jeder Cent, den wir am Ende des Jahres übrig behalten, wird ausschließlich für die rheumakranken Menschen verwendet.

Ich versichere Ihnen, liebe Mitglieder, dass unser jetziger Vorstand die Chancen und die Probleme, die ich auch benannt habe, sieht, kontrovers aber stets um die Sache bemüht, klärt und sich bespricht. Wir werden stärker als bisher den Solidaritätsgedanken in der Rheuma-Liga ausbauen. Wer, wenn nicht die Rheuma-Liga, kann in dieser gesellschaftlichen Situation die Lebensqualität rheumakranker Menschen verbessern? Wer, wenn nicht die Rheuma-Liga, wird sich dafür einsetzen, dass gute Versorgung auch finanzierbar bleibt? Wer, wenn nicht wir in der Rheuma-Liga, wird sich dafür einsetzen, dass wir in unserer Gesellschaft das solidarische Miteinander erhalten und ausbauen?  - Deutsche Rheuma-Liga Berlin – wir bewegen mehr – vor allem: gemeinsam bewegen wir mehr! Vielen Dank!