Jahresbericht 2010 Stiftung Wolfgang Schulze
Die Stiftung Wolfgang Schulze ist eine selbständige Stiftung von Todes wegen, die von der Rheuma-Liga Berlin e.V. verwaltet wird. Ziel der Stiftung ist es, die Forschung auf dem Gebiet entzündlicher und autoimmuner rheumatischer Erkrankungen finanziell zu unterstützen. Das soll durch Auslobung von Preisen von bis zu fünfzigtausend Euro pro Jahr erfolgen.
Im Jahr 2010 fand wie in jedem Jahr die Preisverleihung für Forschungsarbeiten statt. Darüber hinaus wurde auch ein Forschungsvorhaben ausgeschrieben.
1. Preisverleihung 2010
Für die Preisvergabe der Forschungspreise im Jahr 2010 wurde wieder eine international anerkannte Jury vom Vorstand eingesetzt:
Wissenschaftliche Leiterin der Rheumatologische Fortbildungsakademie Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e.V. Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle, Berlin Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, Prof. Dr. med. Wolfgang Rüther, Berlin Vorstandsvorsitzender der Deutschen Rheuma-Liga Berlin e.V. und Stiftung Wolfgang Schulze und Leiter der Jury, Herr Dr. Helmut Sörensen, Berlin, Prof. Dr. med. Wolfgang Gross, Rheumaklinik Bad Bramstedt, Prof. Dr. med. Steffen Gay, UniversitätsSpital Zürich.
Der Vorsitzende der Jury, Herr Dr. Sörensen, stellte dem Vorstand schriftlich das Ergebnis der Jury über die 8 eingereichten Arbeiten vor und erläuterte das Ergebnis. Der Vorstand hat den Vorschlag der Jury zur Preisvergabe in seiner Vorstandssitzung vom 26. April 2010 ausführlich beraten, ist diesem weitgehend gefolgt und setzte das Preisgeld fest. Die Entscheidung basierte auf der Satzung und den Preisvergaberichtlinien. Der Vorstand prüfte das Auswahlverfahren. Beanstandungen bzgl. der Auswahl der Arbeiten gab es keine. Die preisgekrönten Arbeiten wurden einem breiten Fachpublikum vorgestellt und an internationale Fachzeitschriften zur Veröffentlichung und Berichterstattung weitergegeben.
Den Namen des Preisträgers, der Titel der Arbeit sowie eine Kurzfassung befinden sich im Anhang des Jahresberichtes.
Die festliche Preisverleihung fand am 05. Juni 2010 im Allianz-Gebäude in den Treptowers statt. Dr. med. Annette D. Wagner und Dr. med. Gunter Aßmann, Universitätsklinikum des Saarlandes, erhielten für ihre Arbeit mit dem Titel „Efficacy of antibiotic therapy for SAPHO syndrome is lost after its discontinuation: interventional study” den diesjährigen Forschungspreis verliehen.
2. Forschungsvorhaben 2010
Im Berichtsjahr konnte erneut ein Forschungsvorhaben gemäß der vom Vorstand beschlossenen „Vergaberichtlinien für Forschungsprojekte“ ausgeschrieben werden. Mit dieser Ausschreibung reagiert der Vorstand auf die Tatsache, dass die Anzahl an eingereichten Forschungsarbeiten sehr gering ist. Ziel der Ausschreibung sind zum einen eine noch bessere Förderung der Forschung durch die Initiierung von Projekten, die von anderer Seite nicht oder nur unzureichend gefördert werden und somit keine Chance auf Verwirklichung haben. Zum anderen soll die Stiftung weiter bekannt werden. Aufgrund fehlender Bewerbungen wurde die Ausschreibung bis zum 31.12.2010 verlängert, so dass zum Ende 2010 noch keine Entscheidung durch die Jury feststand.
3. Zur Arbeit des Stiftungsvorstandes im Jahr 2010
Der Vorstand tagte im Jahr 2010 im April und im Oktober.
Die Stiftung Wolfgang Schulze hat die Vermögensverwaltung an die Commerzbank AG übertragen. Mit durchschnittlich 3,3% an Erträgen konnte ein, aufgrund der allgemein niedrigen Zinslage, vergleichbar guter Wert erzielt werden. Das Gesamtvermögen liegt mit knapp 1,36 Mio. EUR über dem Nachlasswert in Höhe von 1.294.210 EUR.
Ferner haben die Vorstandsmitglieder und Hilfspersonen die Ziele und Aufgaben der Stiftung Wolfgang Schulze bei folgenden Veranstaltungen bekannt gegeben:
Kongress Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie 15.-18.09.2010 Bei den halbjährlichen Konferenzen innerhalb der Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e.V. Lange Nacht der Wissenschaften 05.06.2010 Preisverleihung im Rahmen der 1. Berliner Stiftungswoche 01.-10.06.2010 Berliner Stiftungstag 12.11.2010 Sonstige Veranstaltungen der Deutschen Rheuma-Liga im Jahr 2010 (s. Jahresbericht 2010 der Deutschen Rheuma-Liga Berlin e.V.) sowie am Rande von Kontakten und Gesprächen mit Wissenschaft, Politik und Medizin.
4. Ausblick 2012
Bekanntmachung der Ausschreibung Forschungsprojekte Weitere Bekanntmachung der Stiftung Überarbeitung Öffentlichkeitsmaterialien Überlegungen zur Neugestaltung der Preisverleihung (z. B. Rheumagala)
Preisverleihung der Stiftung Wolfgang Schulze für Forschungsarbeiten 2010
Antibiotikatherapie beim SAPHO-Syndrom
Das „SAPHO“-Syndrom wurde 1987 für die Symptome von Synovitis, Akne, Pustulosis, Hyperostosis und Osteitis als eigenständiges rheumatologisches Krankheitsbild eingeführt. Die Ursache dieser seltenen Erkrankung ist noch weitgehend unbekannt, allerdings wird ein Zusammenhang mit der Infektion von bestimmten Hautkeimen wie dem Propionibacterium acnes in der Krankheitsentstehung diskutiert. Diese Beobachtung hat zu der Annahme geführt, dass die Therapie mit bestimmten Antibiotika beim SAPHO-Syndrom wirksam sein kann. Um die Wirksamkeit einer solchen Therapie zu überprüfen, haben wir im Rahmen einer Studie den Behandlungserfolg bei SAPHO-Patienten mit und ohne antibiotischer Therapie verglichen. Dabei wurden 49 Patienten mit SAPHO-Syndrom in die Studie eingeschlossen, 25 Patienten unterzogen sich einer Knochenbiopsie der Osteitis. Insgesamt wurden 30 Patienten zusätzlich zu der antirheumatischen Therapie mit Antibiotika (vorzugsweise mit Azithromycin) behandelt, 19 Patienten hingegen ohne Antibiotika-Therapie. Der Therapieerfolg wurde für beide Gruppen nach 16 Wochen (die eine Gruppe mit Antibiose) und nach einem weiteren 12-wöchtigen Intervall (nach Beendigung der Antibiose) anhand einer Punkteskala jeweils für die Hautaktivität, für die Beschwerden der Osteitis, für die kernspinntomographisch gemessene Entzündungsaktivität der Osteitis sowie durch die Blutsenkungsgeschwindigkeit ausgemacht (BSG). In der Antibiotika-Gruppe wurde zusätzlich ein Health-Asessment-Score (HAS) zur Einschätzung des allgemeinen Krankheitsgefühls zu den jeweiligen Zeitpunkten bestimmt. Dabei zeigte sich in der mit Antibiotika behandelten SAPHO-Patienten ein deutlicher Rückgang für die Hautaktivität, für die klinische und kernspinntomographische Osteitis-Aktivität, während in der Kontrollgruppe lediglich die Hautaktivität signifikant abnahm. Allerdings kam es in der Antibiotika-Gruppe 12 Wochen nach Beendigung der Antibiotika-Therapie wieder zur ansteigenden Krankheitsaktivität des SAPHO-Syndroms gemessen an den jeweiligen Aktivitätsscores. Dabei glichen sich die Werte den Ausgangswerten vor Therapiebeginn mit Antibiotika wieder an. Eine klare Überlegenheit der antibiotischen Therapie gegenüber konventionell-antirheumatischer Therapie konnte damit nicht eindeutig belegt werden. Die vorliegende Studie zeigt erstmalig zwar einen Rückgang der Krankheitsaktivität des SAPHO-Syndroms unter laufender Antibiotika-Therapie auf, dieser Effekt scheint aber nach Beendigung der Antibiotikatherapie nicht anzuhalten.
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Vorstandsvorsitzender Dr. Helmut Sörensen
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